Der Kirchturm von St. Markus in der Altstadt von Mühlheim ist ein markantes Wahrzeichen der Stadt. Er beherbergt nicht nur die Glocken der Kirche, sondern auch eine Reihe von Nistkästen für Vögel, die es gerne hoch und mit Weitblick mögen. Diese Nistkästen wurden von Erich Lipps, Richard Schreiber, Dr. Hans Hofmann und Wilfried Mann von unserer Ortsgruppe installiert und werden von ihnen regelmäßig betreut.
Am 23.01.2021 hatte ich die Gelegenheit mit Wilfried auf den Turm zu klettern und alles in Augenschein zu nehmen.
Los ging es durch eine kaum als Tür erkennbare Holzkonstruktion neben der Treppe zur Empore. Dahinter kam eine steile aber immerhin mit Geländer ausgerüstete Holzstiege. „Ist doch gar nicht so schlimm.“ dachte ich schon erfreut. Aber danach kam eine Metallleiter mit weit mehr als 20 Sprossen, die dazu noch frei im Raum stand. Wilfried zog sich Gartenhandschuhe an, zum Schutz gegen die Kälte. Die Leiter hatte Umgebungstemperatur und die lag an diesem Januarmorgen nur knapp über dem Gefrierpunkt.
Als ich nach Wilfried die Leiter hoch kletterte spürte ich die Kälte nicht – Angstschweiß scheint auch zu schützen. Und das obwohl ich es vermied, nach unten zu schauen und auch das Schwanken ignorierte. Aber die Frage, „Wie komme ich da wieder runter?“ konnte ich nicht ganz verdrängen.
Es folgten weitere Leitern durch das Gebälk und wir hatten die Gelegenheit dabei auch das halb-elf Schlagen der Glocke zu hören, welches in so unmittelbarer Nähe natürlich sehr laut ist. Die Vögel des Kirchturms scheint es nicht zu stören, sie haben sich daran gewöhnt.
Dann kamen die ersten Dohlennistkästen. In einen schauten wir hinein und stellten fest, dass sich darin eine mehrere Zentimeter dicke Schicht feiner Erde befand. „Das tragen die Dohlen mit dem Nistmaterial herein.“ erklärte mir Wilfried. Möglicherweise sind das auch die Reste vom ausgiebigen Sandbaden. „Und das Nistmaterial?“ Als Nistmaterial werden kleine Äste, Zweige und allerlei Polstermaterial u. a. auch Papier und Plastik, verwendet, was wir aber nicht mehr vorfanden.
Ganz oben, in einer der Gauben über den Ecktürmchen, ist ein Brutkasten für Turmfalken angebracht. In dem hatten schon einmal Nilgänse gebrütet. Mehrere Gössel schlüpften aus und (nur noch) 3 konnten von Richard nach deren Absprung (ca. 30-40 m hoch) unten eingesammelt und mit lautstarker Begleitung der Elternvögel zum Main gebracht werden. Danach wurde allerdings der Einstieg in den Nistkasten verengt um weitere Nilgansbruten darin zu verhindern.
Auf gleicher Höhe befindet sich die große und geräumige Kammer für Schleiereulen. Das ganze Material für die Kammer war auch über die Leitern nach oben transportiert und dann da, in doch sehr beengter Lage, zusammengebaut worden. Die Kammer ist zurückgesetzt und in den Raum zwischen dem Einflugloch und dem Nistkasten sind einige Äste gestellt. Eulenkinder verlassen das Nest schon bevor sie fliegen können und werden dann als sogenannte Ästlinge weiter von den Eltern versorgt. Mit dieser Konstruktion soll den Kleinen ermöglicht werden, einen Teil dieser gefährlichen Zeit in einem geschützten Bereich zu verbringen und den gefährlichen Start vom Kirchturm etwas später zu unternehmen. Leider gab es in den letzten Jahren keine Bruten von Schleiereulen mehr.
Besonders wohl fühlen sich hier Dohlen. Sie belegen nicht nur die 6 Dohlennistkästen, sondern z. Z. auch die Schleiereulen-Kammer. Da es auch Dohlen immer schwerer haben, freuen wir uns über deren gesunden Bestand.
Die Turmfalken, von den Nilgänsen noch vertrieben, lassen sich von den Dohlen nicht stören, sie haben im vergangenen Jahr wieder in dem für sie gedachten Kasten gebrütet.
Der Abstieg war dann doch einfacher als befürchtet.
Erich, Richard, Hans und Wilfried sind alle noch fit und wollen das Reinigen und Instandhalten noch lange weiter machen. Aber so ganz lässt sich nicht verbergen, dass sie nicht mehr die Allerjüngsten sind. Daher ist Nachwuchs dringend nötig. Also, wenn jemand für den Naturschutz ganz hoch hinauf möchte, bitte melden. Eine Einarbeitung ist dieses Jahr noch möglich.
Text und Bilder: Dr. Waltraud Huni, 25.01.2021