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Obstbaumschnitt mit den Streuobstfreunden Mühlheim Hanau e.V.

Text: W. Huni, Fotos G. Dettweiler und W. Huni

Für den 10. März hatten wir das freundliche Angebot vom Verein Streuobstfreunde Mühlheim Hanau bei einem Kurs für das Schneiden von Obstbäumen, geleitet von Kai Heckele, dem 2. Vorsitzenden und technischen Leiter, dazukommen zu dürfen. Diesem Angebot sind einige von uns sehr gerne gefolgt, da es auf unserem Obstbaumpatenstück einen erheblichen Nachholbedarf gibt, die vorhandenen Obstbäume zu schneiden. Dies betrifft nicht nur die alten Apfelbäume, sondern auch die, die in den letzten Jahren gepflanzt wurden, bei denen dringend ein Erziehungsschnitt gemacht werden muss.

 

Und so trafen wir morgens um 10:00 Uhr bei strahlender Sonne auf dem Gailenberg ein.

 

Kai begann mit einer detaillierten Übersicht über das erforderliche Werkzeug für den Obstbaumschnitt: Scheren, Messer, Sägen und Leitern, was beim Kaufen zu beachten ist, wie man sie einsetzt und wie man sie pflegt. Die Werkzeuge konnten alle gleich angeschaut und verwendet werden.

 

Dann ging es zum praktischen Teil über. Ein Apfelbaum, gleich daneben, sollte geschnitten werden. Allerdings darf man nicht gleich darauf los schneiden, sondern muss erst den Baum in Augenschein nehmen, erklärte uns Kai Heckele. Wichtig sind dabei die Prüfungen auf Standfestigkeit, Gleichgewicht und Baumgesundheit. Bei dem Baum handelte es sich um einen alten Apfelbaum, einen richtigen Veteranen, der schon viel mitgemacht hat. Auf der einen Seite war einer der Leitäste abgebrochen und hat ein großes Loch im Baumstamm hinterlassen. Weitere Löcher und Verletzungen am Stamm zeigten, dass der Baum innen hohl war, was natürlich eine schlechte Baumgesundheit bedeutet. Trotzdem hatte der Baum - mehr auf der anderen Seite - sehr vital und kräftig ausgetrieben, da die Saftströme in der Rinde an diesem Teil des Baumes intakt waren. Das bewirkt allerdings ein Ungleichgewicht. Kai erklärt uns, worauf beim Schnitt zu achten ist: Der Baum muss entlastet werden indem die eine Seite deutlich stärker beschnitten wird, um weiterem Astbruch oder gar Umfallen des ganzen Baums entgegenzuwirken. Insgesamt bleibt es ein alter kranker Baum, aber es soll ermöglicht werden, dass er in Würde stirbt: Ein Ansatz, der aus Sicht des Naturschutzes sehr wichtig ist, bietet doch ein derartiger Baum sehr vielen Arten, die die Bedeutung der Streuostwiesen als Biotop ausmachen, Unterschlupf und Lebensraum. Das beginnt bei den höhlenbrütenden Vögeln wie Trauerschnäpper, bei kleinen Säugetieren wie Siebenschläfer und geht weiter zu Insekten wie Hornissen. Und auch Fledermäuse brauchen derartige Strukturen.

 

Dann begann der Schnitt unter Anwendung der vorhandenen Werkzeuge.

 

Danach wechselten wir zu unserem Baumpatengrundstück und nahmen uns auch dort einen der Veteranen vor. Hier zeigte uns Kai, was an dem Baum in der Vergangenheit falsch gemacht worden ist: Die unteren Leitäste waren sehr stark eingekürzt worden und die dadurch entstandenen großen Wunden hatte der Baum nicht verschließen können. Dadurch war das Innere der Äste, der Holzteil, metertief weggefault, während die Rinde intakt geblieben ist und weiter Äste ausgetrieben hat. Das ist für die Baumgesundheit zwar sehr schlecht, lässt jedoch das NABU-Herz jedoch höher schlagen, da sich dadurch natürliche Nisthöhlen z.B. für Steinkäuze gebildet haben.

 

Auch an diesem Baum wurden danach die äußeren Äste entlastet und die Krone gelichtet unter fachgerechter Verwendung der Werkzeuge.

 

Danach wendete ein Teil der NABU-Mitglieder das neu erworbene Wissen zu Leitergasse, Schnittrichtung und Astkragen gleich an und machte sich an den Schnitt eines jüngeren Apfelbaums.

 

Vielen herzlichen Dank an Kai Heckele für die fachlich hochwertigen Informationen und an die Obstbaumfreunde, dass wir an ihrer Veranstaltung teilnehmen konnten.